Chronik

Bild Startseite

Das Jahr 1905 im Spiegel des Wolfhager Kreisblattes

von Peter Buttler

Um es gleich vorweg zu nehmen, eine Notiz über die Gründung des SPD-Ortsvereins in Sand ist in den Ausgaben des Kreisblattes nicht zu finden. Das mag im wesentlichen zwei Gründe haben: Erstens findet der Ort Sand in der gesamten Ausgabe des Jahres kaum eine Erwähnung und zweitens war das Kreisblatt als amtliches Verkündungsorgan, obrigkeits-staatlich ausgerichtet und kaisertreu bis auf die Knochen.

Das heißt, positive Nachrichten über sozialdemokratische Bewegungen wurden einfach nicht gedruckt. Und doch gehört eine der ersten Meldungen am Anfang des Jahres den Sozialdemokraten. Unter dem 4. Januar wird kurz und lapidar mitgeteilt "Der Parteitag ,der preußischen Sozialdemokraten welcher vom vergangenen Mittwoch ab in Berlin tagte, hat am Sonnabend Nachmittag seine Verhandlungen wieder geschlossen. Dieselben haben im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen." Über welche Inhalte die Genossen verhandelten wird den Bürgen des Wolfhager Landes nicht mitgeteilt.

Offensichtlich ist dem Kreisblatt folgende Anzeige auf der gleichen Seite viel wichtiger: "Ein Kaiserbild gratis wird jedem geliefert, der pro 1/4 Jahr die illustrierte Jagdwochenschrift "St. Hubertus" abonniert."

Wahrscheinlich haben sich nur Wenige für diese Wochenschrift interessiert, denn die Leute des Jahres 1905 hatten ganz andere Probleme. Im Ruhrgebiet bahnt sich ein Streik der Bergarbeiter an, was das Kreisblatt veranlaßt, unter dem 7. Januar folgenden Bericht zu verbreiten: "Gegen die Sozialdemokratische Agitation im Saar- und Ruhrgebiet macht die dortige Industrie energisch Front. So hat das Hüttenwerk Burbach durch Maueranschlag den Arbeitern das folgende bekanntgegeben: Soeben wird der Versuch gemacht, eine sozialdemokratische Zeitung unter dem Namen Saarwacht herauszugeben, die dazu bestimmt ist das gute Verhältnis zwischen Unternehmern und Industriearbeitern zu stören und Unzufriedenheit unter die Arbeiterschaft zu säen Wir erwarten von dem gesunden Sinne unserer Hüttenleute, daß sie sich diesem Blatte fernhalten, es weder bestellen noch lesen da wir nicht gesonnen sind, sozialdemokratische Agitation in irgendwelcher Form auf unserem Werke zu dulden." Die Einschüchterungsversuche haben jedoch nicht gefruchtet. Es kam noch im Januar zum Streik, der erst im März beigelegt werden konnte und im Mai mit einer Vereinbarung endete, die den 8 1/2 Stundentag für Bergarbeiter festlegte.

Das Kreisblatt nahm dies zum Anlaß, um in der Ausgabe vom 22. Mai regelrechte Haßtiraden gegen die Sozialdemokratie loszulassen Einige wenige Auszüge seien hier wiedergegeben:

"Die Festigkeit unseres Staatswesens täuscht sicher viele Staatsbürger darüber hinweg daß wir m Deutschland eine mächtige Sozialrevolutionäre Bewegung haben, die an Rücksichtslosigkeit in ihren Plänen staatsgefährlich ist... Die Hauptangriffe der Sozialdemokratie richten sich doch gegen den bestehenden Staat, sie richten sich aber auch gegen die Familie, wie die Kundgebungen der Sozialdemagogen in Bezug auf die Frauen und die Kindererziehung ergeben. Weitere Hauptangriffe der Sozialdemokratie richten sich gegen das Heer, die stärkste Stütze unseres Staatswesens, und bei diesen Angriffen zeigt sich auch oft eine große Frechheit und Schamlosigkeit alles dessen , was einem Patrioten lieb und teuer ist... Die Macht und die bodenlose Rücksichtslosigkeit, welche die Sozialdemokratie bei allen Streikbewegungen, Boykotts und Beschränkungen der Arbeitsfreiheit ausübt, zeigen, mit welchem Schreckensregiment sie vorgehen würde wenn sie das Heft in der Gewalt hätte..."

Sich selbst beruhigend wird zum Schluß vermerkt: " Aber über die Kreise der Industriearbeiter und der ländlichen Handarbeiter und über die verwegenen Proleterier in anderen Berufsklassen kann die Sozialdemokratie so leicht nicht hinauskommen, weil ihr darüber hinaus der Nährboden fehlt.“

Hier irrte wohl das Kreisblatt. Den Nährboden für eine soziale Bewegung lieferte der Obrigkeitsstaat selbst. Eine weitere Meldung gleich zu Beginn des Jahres macht dies offensichtlich. Am 1. Januar kommt folgende Nachricht aus Afrika. "Aus Deutsch-Südwestafrika wird ein neues Gefecht der Expeditionstruppen mit den aufständischen Hottentotten gemeldet. Major Meister von der Kolonne Deimking stieß am 1. Januar 6 Uhr abends bei Stamprietsonstein auf 500 bis 600 Hottentotten."

Derartige Meldungen aus den Kolonien begleiten das ganze Jahr. Obwohl der Kaiser immer wieder neue Truppen in die aufständischen Gebiete entsendet, ist der Widerstand in den "Schutzgebieten" am Ende des Jahres noch nicht gebrochen. Die kaiserlichen Truppen gehen mit äußerster Brutalität und Härte vor, doch hat man den Freiheitswillen der afrikanischen Urvölker weit unterschätzt. Besonders die Herero wehren sich mutig und erbittert gegen das Deutsche Joch in ihrem Land.

Das Scheitern der kaiserlichen Kolonialpolitik deutet sich bereits jetzt an. Das koloniale Engagement verschlingt Unsummen an Geld, das im eigenen Lande bitter nötig wäre. Der größte Teil der Steuergelder wird in den Kriegsflottenbau gesteckt, während wichtige wirtschaftliche Bereiche sträflich vernachlässigt werden. Für das kaiserliche Großmachtstreben muß das Volk darben, dies zeigt eine Nachricht vom 26. August:

„Die Fleischnot ist in Thüringen besonders groß, denn die thüringischen Stadtgemeinden haben sich bei den Vertretern der thüringischen Staaten im Bundesrate und auch beim Reichskanzler telegraphisch über die herrschende Fleischteuerung beschwert. Allerdings sind die Fleischpreise an nicht wenigen Orten Thüringens bis zu 40 gestiegen. Doch auch sonst dauert die Bewegung gegen die Fleischteuerung fort. Die Stadtverordnetenversammlung zu Frankfurt a. M. genehmigte einen Antrag, welcher Öffnung der Grenzen für Schlachtvieh-Einfuhr verlangt. Die gleiche Forderung enthält eine Resolution, die von 4 Massenversammlungen in genannter Stadt angenommen wurde."

Häufige amtliche Anzeigen über Zwangsversteigerungen werfen ebenfalls ein deutliches Licht auf die wirtschaftlich schlechte Lage des Jahres 1905.

Ein noch traurigeres Kapitel sind die relativ häufigen Meldungen über Selbstmorde. Liest man zwischen den Zeilen, so erkennt man fast immer einen sozialen Hintergrund. Ein besonders tragischer Doppelselbstmord ereignete sich am 25. Januar 1905 in Breitenbach.

Das Kreisblatt berichtet: „Heute früh gegen 7 Uhr hörte man in der Wohnung des Arbeiters Stiefel dort mehrere Schüsse fallen. Als man infolgedessen gewaltsam öffnete, fand man die Eheleute Stiefel in ihrem Blut tot am Boden liegend. Nach den aus dem Befund und sonstigen Vorgängen gemachten Feststellungen, hat Stiefel seine Frau durch einen Revolverschuß, der ihr in's Herz gedrungen war, getötet. Darauf hat er sich selbst durch einen Schuß in den Mund den Tod gegeben... Stiefel, der als Bauarbeiter tätig ist, hatte in letzter Zeit keine regelmäßige Beschäftigung, lebte aber in geordneten Verhältnissen. Er besaß ein kleines Häuschen und Land. Das Ehepaar war kinderlos und hatte deshalb ein Pflegekind angenommen, das jetzt 3-4jährig ist. Es saß während der furchtbaren Katastrophe jammernd auf der Ofenbank, wo es die durch Schulkinder alarmierten Dorfbewohner fanden." Zwei Tage später wird noch berichtet, daß man von der Ehefrau einen langen Abschiedsbrief gefunden hat und somit auf Selbstmord zu schließen ist. Es wird noch erwähnt, daß deshalb den Eheleuten kein christliches Begräbnis zuteil wird.

Beunruhigt ist die Bevölkerung auch wegen einer geheimnisvollen Krankheit, die die Region heimgesucht hat und zum Tode führt. Der Genickstarre. Am 5. Juni wird aus Volkmarsen berichtet: "Ein aus Dortmund erst vor etlichen Tagen hier eingetroffener Arbeiter, der letzten Samstag noch in seinem Berufe tätig war, erkrankte gestern Abend plötzlich. Herr Dr. Hußmann daher hatte an den verdächtigen Krankheitserscheinungen Genickstarre konstatiert, an welcher Krankheit, wie die heute vorgenommene Sektion auch ergeben, der Mensch heute früh 5 Uhr auch bereits gestorben ist." Am 1. Juli wettert das Kreisblatt noch einmal gegen die Sozialdemokraten, indem der Fürst Georg von Schaumburg-Lippe auf einem Kriegerverbandsfest zitiert wird. "Der Fürst sagte u. a.: Auch heute will ich auf die Bestrebungen der Umsturzpartei hinweisen, die darauf hinausgehen, die Grundlagen eines jeden geordneten Staats- und Gemeinwesens zu untergraben. Diese Partei kann nicht kräftig genug bekämpft werden...“

Der Fürst hatte recht, denn im gleichen Jahr wurde noch der SPD-Ortsverein Sand gegründet!

Auseinandersetzungen der Sander Arbeiterschaft mit den Nationalsozialisten vor der Machtübernahme

1932 wurde durch einen so genannten „Freiwilligen Arbeitsdienst" die Straße von der Lochbrücke am heutigen Bergcafe vorbei zur Ponderosa hin gebaut. Das Gelände diente damals vorwiegend als Schulsportplatz. Als Arbeitskräfte standen damals während der Weltwirtschaftskrise genügend arbeitslose Sander Arbeiter zur Verfügung. Die Baumaßnahme war eingerichtet worden, um einige der vielen Sander Arbeitslosen „von der Straße" zu bekommen. Nach Aussagen der Beteiligten betrug der Tageslohn RM 1,80 bis 2,00. Alle Arbeiten wurden ohne Maschinen ausgeführt. Werkzeuge und Hilfsmittel waren: Hacken, Schaufeln, Brecheisen, Schiebekarren, Feldbahnloren und Gleise.

Die politischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Arbeiterparteien untereinander, besonders jedoch mit dem Lager der bürgerlichen - nationalen - nationalsozialistischen Parteien trieben dem Höhepunkt zu. Da an der Baustelle jedoch zusammengearbeitet werden mußte, blieben die auftretenden politischen Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten im erträglichen Rahmen.

Oberhalb des damaligen Sportplatzes standen in einem großen Quadrat kräftige Buchen. An diesen Bäumen hatten die sozialdemokratischen Arbeiter, die die überwiegende Mehrheit an der Baustelle bildeten, eine rote Fahne mit drei Pfeilen befestigt, die Kommunisten an einem anderen Baum ihre Fahne mit Hammer und Sichel. Beide Fahnen wehten dort dauernd im Wind. Eines Abends oder Nachts nutzten Sander und auswärtige Nazis eine für sie günstige Gelegenheit und holten beide Fahnen von den Buchenbäumen. Die Embleme wurden mit Ölfarbe überstrichen, Hakenkreuze darübergemalt und die Fahnen wieder an den Bäumen befestigt. Diese Provokation ließ die Arbeiter auf Rache sinnen.

Als kurz danach die Nazis in Niedenstein eine Versammlung abhielten, glaubten die Gegner sich sicher und schritten zur Tat. Wichdorfer SA-Leute hatten nämlich am Ortsausgang in Richtung Metze an einer hohen Fichte ein aus Eichenholz hergestelltes massives Hakenkreuz befestigt. Die Sander Notstandsarbeiter und weitere Anhänger machten sich auf den Weg nach Wichdorf, sicherten mit kleinen Gruppen die Zugänge zur „Hakenkreuzfichte", wobei Wichdorfer Sozialdemokraten kräftig mitwirkten, und holten das Hakenkreuz vom Baum. Es war, wie vorher erwähnt, recht stabil gebaut, denn es hielt den Sturz vom Baum ohne wesentliche Beschädigung aus.

Siegesfroh zogen alle Richtung Sand, aber leider sollte nicht alles gut gehen. Als der Trupp an Viehmanns Scheune ankam, diese stand an der Straße von Wichdorf nach Merxhausen rechts vor dem Wald, wurde gestritten, ob der Weg durch den Wald genommen oder durch Merxhausen gegangen werden sollte. Die Befürworter des Weges durch den Ort setzten sich durch. Sie wollten ihre Trophäe durch Merxhausen tragen. Die Nacht war zu der Zeit mondhell. Die inzwischen in Niedenstein benachrichtigten Nazis setzten einen Motorradfahrer mit Soziusfahrer auf die Gruppe an, die diese, da sie auf der Landstraße ging, leicht aufspüren konnten. Der Motorradfahrer wendete, fuhr wieder in Richtung Wichdorf und gab, als er ein Stück entfernt war, einen Schuß aus seiner Pistole ab. Dieser war scheinbar das für die inzwischen in Wichdorf versammelten Nazis verabredete Signal, um die „Übeltäter" zu verfolgen. Mit Personenwagen und Motorrädern wurden die Sander umfahren und eingekreist. Da die Nazis in der Überzahl und zum Teil auch bewaffnet waren, blieb den Sandern nur die Flucht in den Wald übrig.

Der Erzähler berichtet mir fast wörtlich weiter: Ich bin gelaufen, bis mir die Luft ausging. Dann habe ich mich im Buschwerk versteckt. Die Nazis suchten jedoch das Waldstück mit Taschenlampen ab und fanden mich. Daß zwei andere von uns das Hakenkreuz bis hierher mitgenommen und dann in der Nähe meines Verstecks liegengelassen hatten, war für mich besonderes Pech. Die Verfolger hielten mich für einen Haupttäter oder Rädelsführer und schlugen mich übel zusammen. Ich hatte drei Löcher im Kopf und war einige Zeit ohne Besinnung. Als ich glaubte, ich könne davon ausgehen, daß die Durchsuchung des Waldes abgeschlossen und unsere Gegner abgezogen seien, bin ich heimwärtsgegangen. Am Cafe Blum trafen wir fast alle wieder zusammen. Der Wirt wurde geweckt, damit mir und anderen das Blut abgewaschen werden konnte.

Als dann stellte die Gruppe fest, daß ein Mitstreiter, Otto Zimmer, Bäckergeselle in der Bäckerei Oliev, fehlte. Auch wurde berichtet, daß er sicher viel Schläge abbekommen habe. Vom Wirt Willy Blum wurde ein Handwagen geliehen, und einige zogen los, Otto zu suchen und zu holen. Er wurde gefunden und mit dem Handwagen in das Dorf gefahren. Er hatte mehrere Messerstiche im Bein, die sich jedoch als nicht besonders gefährlich herausstellten. Unterhalb der Kirche standen dann die Sander Nationalsozialisten und beobachteten den Einzug der Sander „Hakenkreuzstürmer" in das Dorf. Daß sie sich die Namen der Teilnehmer gemerkt haben, muß man annehmen. Als dann die Nazis an die Macht gekommen waren, konnten sich einige - vor allem Kommunisten - nur dadurch angedrohten Repressalien entziehen, indem sie der SA - widerstrebend - beitraten. Andere gingen damals in die zu dieser Zeit gegründete Freiwillige Feuerwehr und erbrachten damit den Beweis, „sich in die neue Volksgemeinschaft einzugliedern".

Erzählt von Heinrich Bubenheim, aufgeschrieben von Wilhelm Bubenheim

Kurz vor der so genannten Machtübernahme, noch 1932, wollten die Nazis dem „roten Sand" ihre Größe und Stärke demonstrieren. In großen Marschkolonnen rückten sie an, meistens in ihren braunen Uniformen, und hielten im Saal der Gastwirtschaft Waßmuth, die an der Straßenkreuzung Kasseler Straße / Niedensteiner Weg stand, eine Versammlung ab. Das war für die meisten Sander - in der Gemeinde gab es nur wenige, die sich offen zu den Nazis bekannten - eine Provokation, die sie sich nicht gefallen lassen wollten. Als die braunen Kolonnen anrückten, waren die benachbarten Straßen schon mit Gegendemonstranten angefüllt, deren Zahl sich dauernd erhöhte. Nachdem der Saal mit Nazis gefüllt war, wurden Posten aufgestellt, die verhindern sollten, daß die Sander eindrangen.

Einer dieser Posten, der aus dem Waldecker Land gekommen war und später mit einem der Erzähler dieser Geschichte gearbeitet hat, erzählte ihm, welche Angst sie angesichts der vielen erbosten Sander gehabt hätten. Fast alle Sander Sozialdemokraten hatten sich mit Knüppeln bewaffnet. Das Dorf lag im Dunkeln; mit einer über die Freileitung geworfenen Kette war ein elektrischer Kurzschluß ausgelöst worden, der die Stromversorgung unterbrach. In dieser Situation trauten sich die Nazis nach Abschluß der Versammlung nicht aus dem Saal, obwohl mehrere von diesen Schußwaffen besaßen.

Um eine „Saalschlacht" auf den Sander Straßen zu verhindern, wurde das Überfallkommando der Kasseler Polizei alarmiert, - die einen sagen durch den Ortspolizisten Drechsler, andere sagen durch den Förster Kloß - die dann mit zwei offenen Mannschaftswagen anrückten und die Straßen mit Gummiknüppeln freischlugen. Es muß jedoch vermerkt werden, daß sich die eingesetzten Polizeibeamten nicht alle brutal gegenüber der demonstrierenden Bevölkerung benahmen, ja, es kann angenommen werden, daß einige mit den Sander Sozialdemokraten sympathisierten. So soll ein Bürger einem Polizisten zugerufen haben, ich bin doch heil - also Nazi.

Dieser soll besonders verdroschen worden sein. Als der Bereich beim Versammlungslokal von den gegendemonstrierenden Menschen geräumt war, rückten die Nazis, überwiegend in Kolonnen, ab. Diejenigen, die sich einzeln oder in kleinen Gruppen absetzten, wurden zum Teil verfolgt und bedroht, wobei die Verfolgten mit ihren Waffen in die Luft schössen, um die Verfolger abzuschrecken, was ihnen scheinbar auch gelungen ist, denn ernsthaft Verletzte soll es nicht gegeben haben.

August Krönert, „der" führende Sozialdemokrat in Sand zu dieser Zeit, lag schwer krank im Bett, als der geschilderte Tumult auf den Sander Straßen ablief. Auf die Frage, was denn draußen los wäre, wurde ihm gesagt, Jugendliche würden Unsinn anstellen. Diese Ausrede wurde benutzt, um ihn zu beruhigen. Da er kurz danach starb, hat er nicht erfahren, was sich abgespielt hatte. Die Nazizeit ist ihm durch seinen Tod erspart geblieben.

Nach Erzählungen mehrerer Beteiligter niedergeschrieben durch Wilhelm Bubenheim.

 

Zähler

Besucher:898759
Heute:30
Online:1
 

WebsoziCMS 3.6.9 - 898759 -